Kaymer hofft auf Golf-Boom in Deutschland

Nicht einmal vier Jahre hat Martin Kaymer gebraucht, um es von der zweitklassigen europäischen Challenge Tour bis zum Major-Sieg zu bringen. Eine Karriere auf der Überholspur. In wenigen Wochen steht nun mit der ersten Teilnahme am Ryder Cup der nächste Höhepunkt auf dem Programm. Kaymer hofft, dass seine Erfolge den Golfsport in Deutschland voranbringen.
„Ich will junge Leute für den Golfsport motivieren und würde mich freuen, wenn ich einen Boom auslösen könnte“, sagte er bei einer Pressekonferenz in München. Der Weltranglisten-Fünfte ist heiß auf den Ryder Cup vom 1. bis 3. Oktober in Wales: „Wir haben ein starkes Team mit starkem Willen, den Titel zu holen. Ich würde mich sehr freuen, neben Tiger Woods am Tee zu stehen und gegen ihn zu spielen.“
Zwei Wochen nach dem größten Erfolg seiner Karriere gab sich Kaymer in der BMW Welt zurückhaltend. „Ich bin eigentlich ein normaler 25-Jähriger, auch privat ein eher ruhiger Typ. Ich bin einfach nicht der Typ, der auf dem Green ausrastet, aber vielleicht gehe ich ein wenig mehr bei dem Ryder Cup aus mir heraus“, erklärte er, sagte aber auch: „Ich fühle mich in der Rolle des neuen Golfstars sehr wohl.“
Ryder Cup ein Traum
Beim größten Team-Event der Golfer erst als zweiter Deutscher nach Bernhard Langer vertreten zu sein, ist für Kaymer „eine riesige Ehre“. Der stille Star aus Mettmann sagte vor dem Gipfeltreffen der europäischen und amerikanischen Asse: „Ein Traum geht für mich in Erfüllung. Ich durfte die Atmosphäre ja schon kennenlernen: Europäische Fans auf der linken, amerikanische Fans auf der rechten Seite wie im Fußballstadion. Mann gegen Mann, das ist der richtige Golfsport, finde ich, das macht mir großen Spaß.“
Ein spezielles Vorbereitungsprogramm auf den Ryder Cup gebe es nicht. In der nächsten Woche spielt Kaymer die KLM-Open in Holland, dann trainiert er mit seinem Coach Günter Kessler in Neuss und danach alleine in seiner Wahlheimat Arizona.
Gegen Titelverteidiger USA nicht von Europas Kapitän Colin Montgomery nominiert wurde Langer, mit dem Kaymer „gerne gespielt hätte“. Der 53-Jährige war der erste Gratulant nach Kaymers erstem Major-Sieg in den USA in Kohler/Wisconsin. „Er hat mir um 02.33 Uhr deutscher Zeit auf die Mailbox gesprochen, er hat sich sehr für mich gefreut“, berichtete der derzeit erfolgreichste deutsche Golfprofi. „Das ist eine große Ehre für mich, er hat mich damals zum Golf inspiriert. Aber man kann mich überhaupt nicht mit ihm vergleichen.“
Triumph lange nicht realisiert
Es habe lange gedauert, so Kaymer, den Triumph nach nur vier Jahren auf der Tour zu realisieren. „Eigentlich habe ich das erst gestern Abend, als ich mir die Zusammenfassung im TV angesehen habe“, sagte er. „Ich hatte nicht viel Zeit, die Trophäe zu betrachten. Meine ersten Worte zu meinem Manager nach dem Sieg waren: Ich weiß nicht, was gerade passiert ist, aber ich glaube, es ist etwas Großes.“
Kaymer hofft auf einen Aufschwung hierzulande auch durch die deutsche Bewerbung für den Ryder Cup 2018. „Für mich wäre es das Größte, einen Ryder Cup in Deutschland zu spielen.“ Talente gebe es in Deutschland genug, meinte Kaymer, „aber man muss als Jugendlicher aus seinen Talenten etwas machen wollen und hart an sich arbeiten. Ich finde es schade, wenn jemand seine Chancen auslässt.“