Ryder Cup: Diskussion um Woods beendet

Ein Ryder Cup ohne die Nummer eins der Welt? Undenkbar! Dieser Meinung war auch Corey Pavin und nominierte Tiger Woods für sein Team. Der US Kapitän beendete damit eine Diskussion, die eigentlich nie eine war.
Zugegeben, noch nie hatte Woods in seiner Karriere so große Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Sex-Affäre, eine lange Spielpause, ein holpriges und bisher wenig erfolgreiches Comeback und zuletzt die Scheidung von seiner Ehefrau. All das führte dazu, dass der 35-Jährige erstmals nicht die direkte Qualifikation für den Ryder Cup schaffte und auf eine Wild Card angewiesen war.
Bei seinen bisherigen fünf Teilnahmen hatte er sich stets als Erster der Rangliste seinen Platz im Team gesichert. Überzeugen konnte er beim Ryder Cup allerdings selten. Zehn Siegen, stehen 13 Niederlagen und zwei Unentschieden gegenüber. Kritiker schlossen daraus, Woods sei möglicherweise kein Team-Player oder dem Druck als Aushängeschild der Mannschaft nicht gewachsen.
Love III adelt Woods
Davis Love III, der als Assistent von Pavin fungiert, widerspricht diesen Vorurteilen vehement. „Tiger ist großartig bei den Teamsitzungen. Er ist ein richtig smarter Typ. Er ist so talentiert und tut alles dafür, um zu siegen. Er hat gelernt ein ruhiger Anführer zu sein und die richtigen Sachen zu sagen“, wird Love III bei thegolfchannel.com zitiert.
Die ganze Diskussion über seine Nominierung wird den Fähigkeiten von Tiger Woods nicht gerecht. Noch immer ist er die Nummer eins der Welt, und das ununterbrochen seit 274 Wochen. Er hat doppelt so viele Major-Turniere gewonnen wie seine elf Teamkollegen zusammen. Zudem hat er aktuell ansteigende Form bewiesen. Bei der Deutsche Bank Championship wurde er Elfter und spielte erstmals in diesem Jahr drei Runden unter 70 Schlägen.
Pavin holt Erfahrung ins Team
Woods hat seinen Platz im Team verdient, und das wusste auch Corey Pavin. Entsprechend froh war er darüber, dass Woods sich im Vorfeld klar zu seinem Wunsch dabei zu sein bekannt hat. „Ich möchte unbedingt zum Team gehören. Dafür würde ich alles tun, was du von mir erwartest“, erklärte Woods in einem Telefongespräch mit Pavin nach Angaben von rydercup.com im Vorfeld der Nominierung.
Auch Europas Kapitän Colin Montgomerie äußerte sich gegenüber dem golfchannel erfreut über Woods‘ Teilnahme: „Der Ryder Cup ist ein besseres Event mit ihm.“
Nun ist Tiger Woods in der Pflicht. Neben seiner spielerischen Klasse ist auch seine Erfahrung ein wichtiger Faktor. Denn wie bei den Europäern auch haben sich viele junge und talentierte Akteure ins US-Team gespielt. Mit Bubba Watson, Jeff Overton, Matt Kuchar und Dustin Johnson qualifizierten sich vier Debütanten direkt für den Ryder Cup. Vor diesem Hintergrund sind auch die Wild Cards für Stewart Cink und Zach Johnson zu sehen. Diese beiden sind seit Jahren feste Größen auf der Tour, Major-Sieger und eine gute Ergänzung zu den Youngstern. Die Nominierung dieses Duos war ebenfalls keine Überraschung.
Fowler eine Überraschung
Einzig der vierte Captain’s Pick sorgte für etwas Furore in den USA. Mit Rickie Fowler holte Pavin das derzeit wohl größte US-Talent in sein Team. Der 21-Jährige spielt derzeit seine erste Saison auf der Tour und kann zwei zweite Plätze als beste Platzierung vorweisen. In den USA ist er ein absoluter Sympathieträger und die große Hoffnung für die Zukunft.
Er ist das Gegenstück zu Europas Jungstar Rory McIrloy und alle Fans fiebern nun schon einem Duell der beiden beim Ryder Cup entgegen. Fowler könnte mit seiner Unbekümmertheit frischen Wind ins Team bringen. Das Risiko für Pavin bei Fowlers Nominierung hält sich in Grenzen.
Anders als sein europäisches Pendant Montgomerie, der aufgrund des komplizierten Modus‘ in Europa am Ende drei Wild Cards zwischen Padraig Harrington, Luke Donald, Edoardo Molinari, Justin Rose und Paul Casey aufteilen musste, hatte Pavin keinen Konflikt zu bewältigen. Woods, Johnson und Cink sind logische Picks, die von einem Großteil der Öffentlichkeit und der Experten mitgetragen werden.
Für den vierten Platz kamen sicherlich viele Spieler wie zum Beispiel Anthony Kim, J.B. Holmes, Sean O’Hair, Lucas Glover oder Nick Watney infrage. Allerdings war keiner von diesen in den letzten Monaten derart überzeugend, dass er unbedingt einen Platz im Team verdient gehabt hätte. Rickie Fowler ist sicherlich ein Wagnis, aber ein überschaubares.
Lars Ahrens