
Erst einmal war im seit 1927 ausgespielten Ryder Cup ein 6:10-Rückstand noch in einen Sieg umgewandelt worden, und nie war das auswärts vor feindseligen Fans geschehen. Aber Europas 12 Helden schafften, was ihnen fast niemand nach den ersten beiden Tagen des 39. Ryder Cups in Medinah, Illinois zugetraut hatten: Sie gewannen 8,5 von 12 möglichen Punkten am Schlusstag und nahmen die berühmteste Trophäe der Golfwelt wieder zurück ins Flugzeug.
Besonders für Martin Kaymer war es ein spektakulärer Erfolg. Er galt als formschwächster Golfer des europäischen Teams und war zuvor nur am Freitagnachmittag zum erfolglosen Einsatz gekommen. In den Singles aber muss jeder Golfer ran. Europas Kapitän José María Olazábal hatte seine vermeintlich stärksten Stars an den Anfang des Spielplans gesetzt. Und Luke Donald, Ian Poulter, Justin Rose und Rory McIlroy enttäuschten ihn nicht. Die vier Briten und der an fünf spielende Schotte Paul Lawwrie gewannen alle ihre Matches gegen Bubba Watson, Webb Simpson, Phil Mickelson, Keegan Bradley und Brandt Snedeker.
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Es ist die größte Führung der USA nach zwei Tagen seit mehr als 30 Jahren. Mit 10:6 führen die Gastgeber und können die zwölf abschließenden Singles in der Gewissheit angehen, dass erst einmal in der Ryder Cup-Geschichte ein solcher Vorsprung noch verspielt wurde. Das aber geschah nicht durch Europa, und nicht auswärts.
Es waren die Amerikaner, die 1999 in Brookline, Massachusetts in einer einmaligen Aufholjagd aus einem 6:10 noch ein 14,5 zu 13,5 machten. Damals gewannen nur drei Europäer ihre Singles, darunter Paul Lawrie, der auch jetzt noch im europäischen Team dabei ist, und der heutige Kapitän José María Olazábal.
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Dass Keegan Bradley vor neuen großen Aufgaben keine Angst hat, hatte er schon 2011 bewiesen, als er gleich bei seinem ersten Major-Auftritt in einem hart umkämpften Stechen das PGA Championship gewonnen hatte. Und das stellte er als Rookie beim Ryder Cup erneut unter Beweis. An der Seite von Routinier Phil Mickelson steuerte er zwei Punkte zum Gesamtresultat der USA bei.
Zunächst hatten beide Europas Top-Duo Luke Donald und Sergio Garcia die erste Niederlage bei gemeinsamen Ryder-Cup-Auftritten beigebracht, dann gewann das Duo vor allem dank des bärenstarken Bradley in den Fourballs auch gegen Rory McILroy und Graeme McDowell, die am Nachmittag mit ihrem Sieg über Jim Furyk und Brandt Snedeker noch erheblichen Anteil daran gehabt hatten, dass Europa mit einem 2:2-Remis aus den Foursomes gegangen war.
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Es ist Ihr zweiter Start beim Duell der besten Golfer aus Europa und den USA. Was bedeutet Ihnen diese Ryder-Cup-Teilnahme nach einer bisher nicht so erfolgreichen Saison?
Martin Kaymer: Die Qualifikation war für mich sehr wichtig und hat mir einen weiteren Motivationsschub gegeben. Ich liebe Events bei denen es um die Ehre und Sportgeschichte geht, wie Olympia und auch den Ryder Cup. Was gibt es Größeres, als für Deutschland und Europa bei einem der weltgrößten Sportevents am Start zu sein?
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„Vor zwei Jahren hatte ich eine unglaublich gute Phase“, erinnerte sich Martin Kaymer laut rydercup.com an sein Ryder Cup-Debüt 2010 zurück, als er als amtierender Major-Champion nach Celtic Manor gereist war. „Ich hatte vier Turniere in Folge gewonnen, das dritte davon war der Ryder Cup. Eine tolle Zeit, in der man man überhaupt keine Zweifel daran hatte, am Sonntag vorne mit dabei sein zu können.“ So sicherte er sich damals das Race To Dubai, wurde zusammen mit Graeme McDowell zum Golfer des Jahres gewählt.
Doch dieses Selbstverständnis, diese Lockerheit auf dem Kurs war Martin Kaymer in dieser Saison völlig abhanden gekommen. Ein gebrauchtes Jahr, ohne Turniersieg und mit reihenweise verpassten Cuts – in der Weltrangliste sackte die ehemalige Nummer eins bis auf Platz 32 ab. Die Qualifikation für den Ryder Cup 2012 wurde so bis zur letzten Minute zur Zitterpartie. „Ich habe noch nie so oft die Leaderboards von Turnieren gecheckt, bei denen ich gar nicht dabei war, wie in den letzten zwei Wochen“, gab Kaymer zu.
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